Selbstüberwachung privater Abwasserleitungen Zustands- und Funktionsprüfung (Dichtheitsprüfung)

(vormals Dichtheitsprüfung nach § 61a Landeswassergesetz)

Die Entwässerung von Grundstücken soll eine für die Umwelt schadlose Beseitigung von Schmutzwasser gewährleisten und unserem heutigen Hygienestandard genügen. Dies ist für uns alle selbstverständlich. Erst wenn Störungen in der Abwasserableitung auftreten, das heißt, wenn das Wasser nicht mehr richtig abfließt oder sich sogar zurück staut, denken viele über ihre Abwasserentsorgung nach. Meistens wurde die Abwasseranlage nach ihrer Errichtung weder gereinigt noch inspiziert.

Unsere gemeinsamen Ziele sollten sein:

  • eine störungsfreie Abwasserableitung ohne Abflusshindernisse (z.B. Ablagerungen, Wurzeleinwuchs),
  • kein Rückstau von Abwasser,
  • keine Nässeschäden infolge undichter Leitungen am oder im Gebäude,
  • keine Geruchsbelästigung oder Rattenbefall,
  • ein für die Umwelt schadloser Abtransport des Abwassers (keine Boden- oder Grundwasserverunreinigung),
  • Standsicherheit sowie Dichtheit der Leitungen zur Werterhaltung Ihrer Abwasseranlage und Ihrer Immobilie,
  • keine unnötig hohen Kosten der Abwasserbeseitigung infolge von so genanntem Fremdwasser (Fehlanschlüsse, Drainagewasser, eindringendes Grundwasser etc.),
  • ggf. erforderliche Sanierungsmaßnahmen planen und rechtzeitig durchführen zu können


Der Gesetzgeber hat daher eine Zustands- und Funktionsprüfung der privaten Abwasserleitungen (Dichtheitsprüfung) eingeführt. Wahrscheinlich haben Sie bereits in den Medien davon gehört. Sie erhalten auf den folgenden Seiten einen kurzen Überblick über dieses Thema.

Am 27. Februar 2013 wurde im nordrhein-westfälischen Landtag die Änderung des Landeswassergesetzes bezogen auf die Dichtheitsprüfung bei privaten Abwasserleitungen beschlossen.

Einzelheiten zur Funktionsprüfung (Dichtheitsprüfung), wie z.B. Fristen (auch wer prüfen muss), Prüfmethoden, Prüfbescheinigungen und Aussagen zur Sanierung wurden über eine Rechtsverordnung "Verordnung zur Selbstüberwachung von Abwasseranlagen - Selbstüberwachungsverordnung Abwasser - (SüwVO Abw) - vom 17.10.2013 geregelt.

Welche Leitungen sind zu prüfen?

Generell müssen alle im Erdreich oder unzugänglich verlegten Leitungen, die Abwasser führen, untersucht werden. Hierzu zählen die Leitungen unterhalb der Bodenplatte (Grundleitungen) sowie die Anschlussleitung bis zum öffentlichen Kanal.

Leitungen, die ausschließlich zur Ableitung von Regenwasser dienen, sind von der Prüfpflicht ausgenommen. Es kann aber ggf. sinnvoll sein, auch diese untersuchen zu lassen.

Bis wann ist die Prüfung durchzuführen?

Gemäß § 8 Abs. 1 Satz 3 SüwVO Abw muss jeder, der eine private Leitung zur Beseitigung von Abwasser betreibt, ihren Zustand und ihre Funktionsfähigkeit überwachen. Dabei ist zu beachten, dass sie nur nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet, betrieben und unterhalten werden dürfen. Für bestimmte Gebiete sind für die Überprüfung feste Fristen vorgegeben.

Folgende Fristen und Vorgaben zur Zustands- und Funktionsprüfung sind in der SüwVO Abw festgelegt:

Unverzüglich (§ 8 Abs. 2 SüwVO Abw):

  • Nach Neuerrichtung oder wesentlicher Änderung müssen Abwasserleitungen unverzüglich auf Zustand und Funktionsfähigkeit überprüft werden.


In Wasserschutzgebieten (§ 8 Abs. 3 SüwVO Abw):


Frist bis 31.12.2015

  • Bestehende Abwasserleitungen zur Ableitung von häuslichem Abwasser, die vor dem 01.01.1965 errichtet wurden;
  • Bestehende Abwasserleitungen zur Ableitung von industriellem oder gewerblichem Abwasser, die vor dem 01.01.1990 errichtet wurden;


Frist bis 31.12.2020:

  • Bestehende Abwasserleitungen zur Ableitung von häuslichem Abwasser, die nach dem 01.01.1965 errichtet wurden;
  • Bestehende Abwasserleitungen zur Ableitung von industriellem oder gewerblichem Abwasser, die nach dem 01.01.1990 errichtet wurden.


Außerhalb von Wasserschutzgebieten (abhängig vom Gefährdungspotential) (§ 8 Abs. 4 SüwVO Abw):


Frist bis 31.12.2020

  • Es müssen nur die Abwasserleitungen geprüft werden, die industrielles oder gewerbliches Abwasser führen, wenn für diese Abwässer Anforderungen in den Anhängen 2 bis 57 der Abwasser Verordnung des Bundes festgelegt sind (zum Beispiel Schmutzwasser von Zahnbehandlungen, Chemische Reinigungen oder Wäschereien).


Für die Prüfung anderer Abwasserleitungen ist keine landesweit geltende Frist festgelegt.

Durchführung der Prüfung und entstehende Kosten

Die Prüfung darf nur von Sachkundigen durchgeführt werden. Diese sind auf einer vom Land verwalteten Liste im Internet aufgeführt. Einen Auszug dieser Liste stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung. In den meisten Fällen reicht eine Untersuchung mittels einer Kanalkamera aus.
Ausgenommen sind Entwässerungsanlagen auf Grundstücken in Wasserschutzzone II (Straßenliste) sowie neu errichtete Leitungen. Hier ist eine Druckprüfung mit Luft oder Wasser vorzunehmen.

Eine pauschale Antwort über die Kosten kann es nicht geben. Die Kosten bei der Dichtheitsprüfung richten sich nach der Leitungslänge, der Verzweigtheit des Netzes, der Zugänglichkeit Ihres Leitungsnetzes, der Art der Dichtheitsprüfung und nach dem erforderlichen Reinigungsaufwand.
Im Durchschnitt liegen die Kosten bei 300 € bis 800 €.

Über die Prüfmethoden nach DIN 1986-30 und den Wiederholungszeitraum nach SüwVO Abw in Ergänzung durch DIN 1986-30 können Sie sich hier informieren.

Wie geht es nach der Zustandserfassung weiter?

Bitte reichen Sie die Unterlagen bei der Stadt innerhalb von 2 Monaten nach erfolgter Überprüfung ein. Die Unterlagen, die eingereicht werden müssen, bestehen aus dem "Protokoll über die Überprüfung der Dichtheit", einem Lageplan, dem/den Haltungsbericht/en, ggf. dem/den Druckprüfprotokoll/en und einer DVD mit den Filmen.

Sind Ihre Abwasserleitungen dicht, erhalten Sie zeitnah eine Bestätigung der Stadt Kierspe. Die nächste Überprüfung ist in 30 Jahren ab Prüfdatum durchzuführen.

Gemäß der SüwVO Abw beginnt die Frist für die Wiederholungsprüfung in Wasserschutzgebieten mit Ablauf der für die erstmalige Prüfung gesetzten Frist.

Was ist zu tun, wenn das Ergebnis „undicht“ lautet?

Jetzt ist zu bewerten, welche Schäden in Ihrem Leitungsnetz vorhanden sind. Sogenannte Bagatellschäden müssen nicht saniert werden. Die einzuhaltende Sanierungsfrist richtet sich nach der Art der Schäden.

Lassen Sie sich bitte nicht von der Untersuchungsfirma zu einer sofortigen Sanierung drängen. Eine zeitnahe Behebung der Schäden ist zwar sinnvoll, da sich Schäden verschlimmern können, aber eine vernünftige Planung und das Einholen verschiedener Meinungen spart Kosten. Für Fragen und eine Beratung stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Hilfreiche Tipps

Tipps zur Herangehensweise:

  • Informieren Sie sich bei uns, ob und bis wann Sie eine Funktionsprüfung durchführen müssen
  • Holen Sie mehrere Angebote ein
  • Lassen Sie sich auf kein Haustürgeschäft ein
  • Lassen Sie sich nicht von Unternehmen drängen
  • Beauftragen Sie die Zustandsprüfung möglichst mit Ihren Nachbarn zusammen
 
  • Suchen Sie den Entwässerungsplan Ihres Gebäudes heraus (falls vorhanden), alternativ einen Grundrissplan (Kellergrundriss)
  • Stellen Sie die Zugänglichkeit von Kontrollschacht und Kontrollöffnungen her
  • Überprüfen Sie in Ihrer Gebäudeversicherung, ob und wenn ja, welche Abwasserleitungen versichert sind
  • Überprüfen Sie im Zuge der Dichtheitsprüfung auch die Rückstausicherheit Ihrer Entwässerungsanlage
  • Seien Sie bei der Zustandsprüfung dabei

Weitergehende Informationen über das Thema Dichtheitsprüfung finden Sie auch auf den folgenden externen Internetseiten:

NRW-Liste der sachkundigen Dichtheitsprüfer:
http://www.sadipa.it.nrw.de/Sadipa

Link zum Umweltministerium:
http://www.buergerinfo-abwasser.de

Link zum Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW:
http://www.lanuv.nrw.de/wasser/abwasser/dichtheit.htm

Informationsportal zum Thema "Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen" in NRW:
www.dichtheitsprüfung.tv

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