Heiratswäldchen

Lage

In alten Zeiten war es Brauch, dass Hochzeiter einen oder sogar mehrere Bäume pflanzten. So z.B. in der Gemeinde Herscheid: dort musste nachgewiesen werden, dass sechs Eichen und sechs Apfelbäume gepflanzt worden waren, bevor die Obrigkeit ihren Segen zu einer Eheschließung gab.

In Rönsahl wurde dazu aufgefordert Faulbäume zu pflanzen, deren Rinde zu Gewinnung des Schießpulvers gebraucht wurde (Das Schießpulver wiederum sicherte Rönsahl in früheren Zeiten den Wohlstand.
Dieser alte Brauch, so wünschte es sich vor ca. 25 Jahren Werner Keune (+), (damals 2. Vorsitzender des Heimatvereins und engagiert in vielen Bereichen) sollte in unserer Stadt wieder aufgegriffen werden.

Die Stadt stellte ein ca. 1,7 ha großes Grundstück in der Nähe der Kerspequelle zur Verfügung. Dagmar Schwarze, die damals bei der Stadt beschäftigt war, erstellte einen Gestaltungs- und Bepflanzungsplan mit Fußweg. Dadurch wird den Hochzeitspaaren die Möglichkeit gegeben, durch "ihr" Heiratswäldchen spazieren zu können und um ihren Kindern und Enkelkindern den selbst gepflanzten Baum zeigen zu können.
Um diese Pläne Wirklichkeit werden zu lassen, erklärte sich der Heimatverein, der sich dem Altüberlieferten genauso wie der Zukunft verpflichtet fühlt, gerne bereit, die Organisation der Pflanzungen zu übernehmen.

Und nun zu den Hauptpersonen: Die frisch getrauten Ehepaare werden bei Ihrer standesamtliches Trauung auf die Aktion zur Erhaltung des schönen alten Brauches hingewiesen.
Seit 1987 greifen Sie einmal im Jahr zu Hacke und Spaten um einen Baum im Heiratswäldchen zu pflanzen. Einen Baum nicht nur als Zeichen für Werden und Wachsen, sondern auch, um die Verwurzelung mit der Heimatstadt Kierspe zu zeigen und aktiv an ihrer Gestaltung teilnehmen zu können. Mit dem Obulus tragen die Hochzeiter zur Finanzierung der Bäume bei, das ist etwa ein Drittel der anfallenden Kosten. Den Fehlbetrag stellt der Heimatverein zur Verfügung, der auch für die Bereitstellung der Bäume sorgt und jedem Paar eine datierte Urkunde mit dem Namen des gepflanzten Baumes überreicht.
Dieses Angebot wird seitdem gut angenommen.

Früher war der Grundgedanke die Sicherstellung des Lebensunterhaltes. Heute müssen wir um unsere Lebensqualität durch Umweltzerstörung bangen.
So sollte unsere Pflanzaktion auch mahnen und helfen, wieder mit der Natur in Einklang leben zu lernen.
Zum Schluss ein kleines Gedicht:

Blick auf zu den Gipfeln der Bäume.
In Ihnen spürst du die Kraft,
die aus der Erde steigt,
sie wächst hinein in die Wurzeln,
treibt den Stamm hinauf,
sie strömt in die Äste,
teilt sich den Zweigen mit,
sie triumphiert in den Gipfeln.
Jeder Baum trägt seine Krone.
(M. Krauss)


Kontakt:
Herr Hermann Reyher
Glatzer Weg 8
Tel. 02359/6561