Margarethenkirche

Kirchengeschichte

Mit der Übergabe des Rittergutes Rhade an der Volme an das zu gründende Benediktinerkloster in (Köln-) Deutz durch Erzbischof Heribert beginnt die schriftliche Überlieferung zum Dorf Kierspe im Jahre 1003. Da ein großer Teil der zu diesem Rittergut gehörenden Höfe im Bereich dieses Dorfes lag, ist es nicht verwunderlich, dass die Benediktiner von Deutz hier auf eigenem Grund und Boden eine Kirche gründeten, die 1147 in einer Besitzbestätigung Papst Eugens III. für die Abtei erstmalig Erwähnung fi ndet. In einer Urkunde des Hauses Rhade aus dem Deutzer Copiar im Staatsarchiv Düsseldorf erscheint 1207 ein „Hinricus sacerdos in Kirspe“. Das Liber Valoris der Kölner Kirche erwähnt zu Beginn des 14. Jh. den Zehnten der Kiersper Kirche, zu der zwei Kapellen gezählt werden. Die eine dieser Kapellen, die dem heiligen Georg geweiht war, stand beim Hause Rhade, die andere vermutlich an der Stelle der heutigen Rönsahler Servatius-Kirche. Die Kiersper Kirche gehörte als Eigenkirche des Klosters Deutz zum Dekanat Lüdenscheid, sie war der heiligen Margaretha geweiht, die zu den 14. Nothelfern zählte. Vögte waren zeitweilig die Grafen von der Mark oder die Grafen von Isenberg.
Das Recht der Kollation (Einsetzung des Pfarrers) lag bis zum 18. Jh. beim Benediktinerkloster in (Köln-) Deutz. Es wurde auch noch nach der Reformation bis zum Ende des alten Reiches von der Abtei wahrgenommen, indem der von der Gemeinde gewählte Pfarrer bestätigt wurde.
Über das Aussehen und die Ausstattung der ursprünglichen Kirche erfahren wir nichts Besonderes. Sie soll schon damals ein schönes Gebäude gewesen sein. Ihr Turm war noch höher als der jetzige. Aus dem Jahre 1684 ist eine Reparatur überliefert. Der gegenwärtig aufstehende Bau wurde nach Angaben des Richters Johann Wilhelm Rövenstrunck von 1647 im Jahre 1330 errichtet, das Vierpaßmaßwerk  seiner gotischen Fenster verweist ebenfalls auf eine Errichtung im 14.Jh. Auf dem Kirchendach befand sich ein kleines Türmchen, welches teils mit Blei und teils mit Schiefer gedeckt war.
Die Außenwände gehörten ursprünglich zu einer spätgotischen Hallenkirche mit vier Gewölben und vier Pfeilern. Diese Kirche hatte im Osten einen ungewöhnlichen fl achen Chor.
Nachdem sie zu Anfang des 19. Jh. baufällig geworden war, wurde der Turm abgerissen und durch einen neuen ersetzt. Die Außenmauern des Kirchenschiff es aber ließ man stehen, baute darauf ein neues geschweiftes Dach und verwandelte das Innere in einen großen Saal mit Stilelementen des  preußischen Klassizismus und umlaufenden Emporen. Im Westen entstand ein markanter dreigeschossiger Turm mit einer markanten Zwiebelhaube, wie sie häufi ger bei Barockkirchen zu finden ist.
Nach der Überlieferung waren die Kreuzgewölbe und Pfeiler der Kirche bunt bemalt. Die Bemalung wurde zu Anfang des 19. Jh. übertüncht. Es gab zwei Altäre, zwischen denen eine Bank stand, die von den Geistlichen vermutlich nach der Reformation als Beichtstühle benutzt wurden. Auf dem Altar stand ein Triptychon, ein dreigeteiltes Gemälde, dessen Mittelbild das heilige Abendmahl darstellte, darunter die Einsetzungsworte.

 
 

Reformation

Die Einführung der Reformation nach Luther wird auf Thomas Egenscheid zurückgeführt, der 1568 noch als katholischer Pfarrer in Kierspe eingesetzt worden war. Sein Vorgänger im Amt, der Pastor Johann Frombach, hatte bis dahin der Einführung der lutherischen Lehre erfolgreich widerstanden, Reformationsbestrebungen seines Vikars Rudolf Rövenstrunck, mit dem er in einem verwandtschaftlichen Verhältnis stand, jedoch keinen Widerstand entgegengesetzt. Johann Diederich von Steinen, selbst lutherischer Pfarrer, bezeichnet Egenscheid, der vom Gut Eggenscheid im Kirchspiel Lüdenscheid stammte, „als eifrigen Anhänger Luthers“. Von großem Interesse auch für die Geschichte der Reformation in Kierspe ist es jedoch , dass Egenscheids Vikar, Moritz Hüsgen, der ebenfalls zum römisch-katholischen Vikar in Kierspe bestellt worden war, sich im Gegensatz zu seinem Pfarrer bemühte, den römisch-katholischen Glauben weiterhin aufrechtzuerhalten.
Als ihm das verwehrt wurde, sammelte er seine Anhänger in der St. Georgs-Kapelle bei Haus Rhade und verteidigte „mit Zähigkeit und Geschick“ seinen katholischen Glauben. Nach dem Tode Egenscheids berücksichtigte die Gemeinde ihn jedoch nicht bei der Wahl ihres Pfarrers, sondern wählte Johann Christian Göbel aus Plettenberg. Nachdem Hüsgen erfolglos geblieben war, trat er der lutherischen Kirche bei und wurde nach v. Steinen „dem Pfarrer Göbel ein guter Gehilfe“. Ein weiterer Umstand verdient es hierbei erwähnt zu werden. Aus Kierspe stammten zwei besondere Persönlichkeiten dieser Zeit, die zu den Vorkämpfern der Gegenreformation gehörten: Matthias Bredenbach (1489-1559), seit 1533 Rektor des Gymnasiums in Emmerich, sowie Dr. Johann Horst von Romberg (um 1480-1532), der als einer der „aktivsten westdeutschen Katholiken des 16. Jahrhunderts“ gilt, als Dominikaner und Kölner Universitätsprofessor sich aber auch als Verteidiger des berühmten Bergischen „Blutzeugen der Reformation“, Adolf Clarenbach aus Lüttringhausen, hervortat, der 1529 in Köln den Tod auf dem Scheiterhaufen erlitt, weil er seine protestantische Überzeugung nicht preisgeben wollte. Johann Horst, der sich selbst außer „Romberch“ auch als „Kirspiensis“ bezeichnete, geriet als einer „der letzten großen Predigermönche“ offenbar fälschlicherweise 1559 auf den von Papst Paul IV. herausgegebenen päpstlichen Index.

 
 

Die evangelisch-lutherische Saalkirche und der Baumeister Pistor

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Ut commodo pretium nisl.An der Ähnlichkeit des Kirchturms der Margarethenkirche mit dem der heutigen Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen lässt sich erkennen, dass es sich bei dem etwa gleichzeitigen Umbau beider Kirchen um denselben Baumeister handelt:
Philipp Leonhard Pistor (1756-1828), von 1779 bis 1817 Landbaumeister der Grafschaft Mark mit Dienstsitz in Hamm. Pistor hatte sich qua Amt in vielfacher Weise bewähren müssen: Bei der Schiff barmachung der Ruhr, beim Bau von Mühlen und Brücken, beim Städtebau und  Militärbauten. Er war der Erbauer von Hauptwache und Rathaus in Hamm sowie des Bergamtsgebäudes in Wetter, er war zuständig für die Verlagerung von Friedhöfen von den Kirchhöfen der Ortskerne auf Plätze außerhalb der Siedlungen, aber auch für den Bau der Wasserleitung in Iserlohn 1790. Zu erwähnen ist hierbei auch der von ihm eingereichte Plan zum Aufbau von Meinerzhagen nach dem Brand von 1791.
Pistors Formensprache des zumeist kargen preußischen Klassizismus, die einstmals in starkem Maße das Bild märkischer Dörfer und Städte prägte, (Thomas Spohn) ist auch am Umbau der Margarethenkirche in Kierspe zu erkennen. Seit 1813, als eine größere Menge Kalk von der Decke gefallen war, war es aktenkundig, „daß die Kirche von Kierspe einer großen Reparatur bedürfe und der Turm abgenommen, auch die Kirche mit einem neuen Dache versehen werden müßte“. Am 17. August 1814 wurden die Pläne eingereicht, am 20. März 1815 der Bau an den Maurermeister Adam Schütte aus Herreshagen und den Schieferdecker Peter Nattermüller vergeben. Der Grundstein zum neuen Turm wurde am 24. April 1816 gelegt, die Revision von Kirch- und Turmbau erfolgte am 10. Dezember 1819. Einzelarbeiten zogen sich jedoch noch bis 1822 hin. Beim Bau wurden das Gewölbe und die Pfeiler entfernt. Mit dem Neubau des dreigeschossigen Turmes „im rundbogigen klassizistischen Stil“ (Hartmann) und dem durch die Entfernung von Gewölbe und Pfeilern entstandenen schmucklosen Saal entstand eine in ihrem Charakter völlig andere Kirche, die den Anforderungen an einen evangelischlutherischen Gottesdienst voll entsprach. An den Wänden wurden auf drei Seiten breite, auf toskanischen Säulen ruhende Emporen herumgeführt. Der Kanzelaltar im Osten „mit vier gestühlten Säulen als Schalldeckelstützen, die römische Kompositkapitelle tragen“ (Hartmann) betont die Gleichberechtigung von Abendmahl und Predigt im Gottesdienst. Die Gemeinde erlebt die Gegenwart Gottes in Sakrament und Predigt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden bauliche Veränderungen vorgenommen. Aus dem Tonnendach wurde eine Spiegeldecke und die seitlichen Emporen wurden an der Ostseite gekürzt. Dadurch wurden bessere Lichtverhältnisse geschaff en und die gotischen Maßwerkfenster besser zur Geltung gebracht. Die auf einer zweiten Emporenbühne stehende Orgel wurde auf die Höhe der übrigen Emporen gestellt.

 
 

Dach und Decke

Im Dezember 1814 setzte sich der Landesbaumeister Pistor in einem Brief an den Landesdirektor von Romberg in Dortmund gegen den Vorwurf zur Wehr, der geplante Bau entspreche nicht dem einer typischen Dorfkirche mit gewöhnlichem Dach und einer platten Balkendecke. Er verteidigte seine Planung dabei mit den Argumenten der Sparsamkeit, weil das von ihm entworfene Bohlendach in Bezug auf Haltbarkeit und Kosten wesentlich preiswerter sei als ein gewöhnliches Dach, gesünder wegen der höher anzulegenden Decke, widerstandsfähiger gegen Stürme und vorteilhafter, weil man zum Dach „das kürzeste und schlechteste Holz, ja selbst angefaulte oder Schwam-Bäume(Schwamm-Bäume?)“ für nur kurze Bretter verwenden könne, da gewöhnliches Bauholz in der Gegend kaum noch zu haben sei. Dafür sei zudem auch keine besondere Aufsicht eines Baubeamten erforderlich. Zudem sei solch ein Bohlendach sowohl vorteilhaft als selbst schön, weil das Äußere dieses Daches eine sanft bogenhafte Gestalt habe, die dem Auge weit angenehmer ist, als ein gerade aufgehendes Dach. „Dass die kostspielige 67 Fuß hohe Thurmspitze am wenigsten auf einem Dorfe nicht nothwendig sey, sondern ein Schiefer oder Ziegeldach gleich auf dem Mauerwerke hinreichen würde“ entgegnet Pistor mit erstaunlichem Selbstbewußtsein, indem er betont, dass „er bei Vornehmung eines Baues von Wichtigkeit, wie dieser Bau würcklich ist, nicht blos von dem Gesichtspunkte der größten Menage (Sparsamkeit) ausgehe“, sondern das Mauerwerk des Turms in seiner Höhe um 21 Fuß vermindert habe, „mithin auch in Rücksicht dieses, der ganze Bau nach dem angefertigtem Plan zu genehmigen seye“.
Diesem engagierten, selbstbewussten und mutigen Baumeister Pistor hat Kierspe, das längst über das Dorf hinaus gewachsen ist, seine „Margarethe“ zu verdanken, die zwar kein Ortsmittelpunkt mehr, aber mit ihrem unverkennbaren Zwiebelturm immer noch das weithin sichtbare Wahrzeichen
der heutigen Stadt ist.

Mit dem Neubau des dreigeschossigen Turmes „im rundbogigen klassizistischen Stil“ (Hartmann) und dem durch die Entfernung von Gewölbe und Pfeilern entstandenen schmucklosen Saal entstand eine in ihrem Charakter völlig andere Kirche, die den Anforderungen an einen evangelischlutherischen Gottesdienst voll entsprach. An den Wänden wurden auf drei Seiten breite, auf toskanischen Säulen ruhende Emporen herumgeführt. Der Kanzelaltar im Osten „mit vier gestühlten Säulen als Schalldeckelstützen, die römische Kompositkapitelle tragen“ (Hartmann) betont die Gleichberechtigung von Abendmahl und Predigt im Gottesdienst. Die Gemeinde erlebt die Gegenwart Gottes in Sakrament und Predigt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden bauliche Veränderungen vorgenommen. Aus dem Tonnendach wurde eine Spiegeldecke und die seitlichen Emporen wurden an der Ostseite gekürzt. Dadurch wurden bessere Lichtverhältnisse geschaff en und die gotischen Maßwerkfenster besser zur  Geltung gebracht. Die auf einer zweiten Emporenbühne stehende Orgel wurde auf die Höhe der übrigen Emporen gestellt.

 
 

Der Taufstein

Bemerkenswert ist der Taufstein, der auf der rechten Seite des Altares im Saal seinen heutigen Platz bekommen hat. Er ist dem 13. Jh. zuzuordnen, gehört also noch in die unbekannte Vorgängerkirche. Seine große Höhlung soll dem Ein- und Untertauchen der Kinder gedient haben. Nach dem 1. Weltkrieg lag der Stein „unter dem Treppenaufgange“, war also nicht mehr in Benutzung. Die Machart des Steines mit den tragenden kleinen Säulen fi ndet sich in einer Reihe  von Kirchen der näheren und weiteren Umgebung, so in Bensberg, Lindlar, Ründeroth und Meinerzhagen. Man möchte meinen, diese Steine hätten von Bonn oder Köln her auf der
alten Heidenstraße ihren Weg ins Sauerland gefunden.

 
 

Die Orgel

1823 wurde der Entwurf für eine neue Orgel von dem Orgelbauer Adam Wild aus Dortmund vorgelegt, der eine Orgel auf dem Kanzelprospekt vorsah. Ein zweiter Entwurf stammte von dem Orgelbauer Engelbert Ahmer aus Letmathe. Ausgeführt wurde ein dritter von Christian Roetzel aus Alpe bei Gummersbach, der auch die Orgel im benachbarten rheinischen (Wipperfürth-) Kreuzberg gebaut hat. Er positionierte die Orgel auf einer über der Empore auf der Westseite über dem Eingang durch den Turm zu errichtenden weiteren, kleineren Empore. Der Entwurf gelangte über die Regierung in Arnsberg nach Berlin an die preußische Oberbaudeputation „mit dem Ersuchen, die Revision durch Musikdirektor Bach vornehmen zu lassen“ (Schreiner). Dieser ließ der Oberbaudeputation letztlich freie Hand in Bezugauf die äußere Fassade der Orgel. Nach Schinkels „Angaben“ wurde ein Gegenentwurf gezeichnet. „Sechs dorische Säulen, vier in der vorderen Front. Jedes der drei Felder zeigt dem dorischen Stil gemäß sparsame antikische Zier: in den Ecken schön gezeichnete Rollwerk- und Blattfüllungen, im Fries je fünf Rosetten und als obersten Abschluß einen Palmettenfries.“ (Schreiner) Es ist auff allend, wie der Säulenaufbau der Orgel auf das Gliederungsmotiv des Barockaltares gegenüber an der Ostwand Bezug nimmt.“ (Schreiner).

 
 

Philipp Leonhard Pistor (1756-1828),

Von 1779 bis 1817 Landbaumeister der Grafschaft Mark mit Dienstsitz in Hamm. Pistor hatte sich qua Amt in vielfacher Weise bewähren müssen: Bei der Schiff barmachung der Ruhr, beim Bau von Mühlen und Brücken, beim Städtebau und Militärbauten. Er war der Erbauer von Hauptwache und Rathaus in Hamm sowie des Bergamtsgebäudes in Wetter, er war zuständig für die Verlagerung von Friedhöfen von den Kirchhöfen der Ortskerne auf Plätze außerhalb der Siedlungen, aber auch für den Bau der Wasserleitung in Iserlohn 1790. Zu erwähnen ist hierbei auch der von ihm eingereichte Plan zum Aufbau von Meinerzhagen nach dem Brand von 1791.